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Die Dschinn und das magische Buch

Bärbel Drechsler - Die Dschinn und das magische BuchBärbel Drechsler

Gemeinsam mit ihrem Vater Benjin und ihrer Großmutter haben die Geschwister Radam und Iram in einem verlassenen Haus Unterschlupf gefunden. Ihr Leben verläuft endlich friedlich, bis eine andere Familie einzieht. Rücksichtslos breiten sie ihre Habseligkeiten aus und nehmen das Haus in Besitz. Nur der Dachboden bleibt verschont.
Großmama Imma ist verstimmt, doch dagegen unternehmen kann sie nichts. Die andere Familie kann nämlich nichts dafür – sie können Imma, Benjin, Radam und Iram nicht sehen, denn Dschinn sind für Menschen unsichtbar! Es sei denn, sie wollen gesehen werden.
Also müssen sie sich irgendwie arrangieren und versuchen, so unauffällig wie möglich zu bleiben. Doch Kinder sind Kinder, egal, ob Mensch oder Dschinn und so freundet sich Radam mit dem Jungen der Menschenfamilie an.
Bald schon zeigt sich auch seine Schwester und die beiden Dschinn-Kinder verbringen die meiste Zeit des Tages mit den Kindern der Menschen.
Gemeinsam streifen sie durch das Haus und finden beim Stöbern auf dem Dachboden eine alte Truhe und darin ein altes, geheimnisvolles Buch. Dessen Inhalt stellt urplötzlich das Leben beider Familien auf den Kopf.
Das größte Abenteuer ihres Lebens wartet auf sie.

ISBN: 978-3-95509-214-6
Paperback
Buchformat: 14,8 x 21,0 cm
174 Seiten
Erschienen: 13.03.2017
Ab 6 Jahren
Artikelnummer: 3955092143
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Preis: 12.90 EUR

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  • Einleitung

    Dschinn - ein Wort wie aus dem Märchen entsprungen. Für die einen sind es Geister, von denen man sich etwas wünschen kann. Im Volksglauben sind es Dämonen, die den Menschen Unheil bringen. Für Muslime sind sie laut Koran unsichtbare, denkende Wesen mit einer Seele und von Gott aus rauchlosem Feuer erschaffen. Es gibt gläubige und ungläubige Dschinn. Aber viel mehr wissen wir nicht über sie.
     Mit meiner abenteuerlichen Geschichte möchte ich das Wenige, was im Koran über sie steht mit meiner Fantasie lebendig werden lassen. Die Geschichte über die Freundschaft von Kindern einer Dschinn- und einer Menschenfamilie ist also nur meiner Einbildungskraft entsprungen. Sie ist in keiner Weise real. Ich möchte mit meiner Erzählung nur darauf hinweisen, dass die Dschinn Lebewesen sind, die gewiss ihre eigene Kultur besitzen und mit der wir eine Welt teilen.


    Die Dschinn-Familie

    Hoppla!« Dschinn-Vater Benjin macht einen Satz und fällt beinahe Dschinn-Großmama Imma vor die Füße, die sich gemütlich im Schaukelstuhl der alten, vor Kurzem verstorbenen Hausbesitzerin rekelt. »Du hast es aber eilig!«, lacht sie. Verärgert brummt Papa Benjin: »Diese Menschenfamilie! Ständig stolpert man über jemanden. Unsere Ruhe ist dahin, seit sie hier in dieses Haus eingezogen sind. Was für eine ruhige Person war doch die alte Frau! Den ganzen lieben langen Tag lang saß sie nur im Schaukelstuhl. Jetzt hast du ihn ja in Beschlag genommen.« Gereizt starrt er Oma Imma an und reibt dabei sein Knie. Nun kommt er erst richtig in Fahrt und schimpft vor sich hin. »Kaum richtet man sich häuslich ein und glaubt, seine Ruhe zu haben, da kommt so eine Familie ins Haus. Immer muss man sich unsichtbar machen! Und mit der Ruhe ist es auch vorbei. Ich glaube, wir müssen weiterziehen und uns eine neue Bleibe suchen.«
    »Ach was!«, lacht Großmama und schaukelt genießerisch weiter. »Wir müssen uns eben mit ihnen arrangieren. Wie immer um diese Zeit frühstücken sie jetzt und ziehen dann ihrer Wege, die einen zur Arbeit, die anderen zur Schule. Solange müssen wir uns eben gedulden. Entweder ziehen wir uns wie jetzt in unsere kleine versteckte Kammer zurück oder sind einfach still und rühren uns nicht. Sie sehen uns ja nicht!«
     Sie setzt sich aufrecht in ihren Schaukelstuhl und meint recht gebieterisch: »Benjin, setz dich und lauf nicht so unruhig hin und her! Du machst mich ganz verrückt! Nimm deine Pfeife und gehe nach draußen! Aber mache keinen Krach!« Dann zieht sie die alte Decke, die sie nur locker bedeckt, fester um ihren Körper. Oma Imma ist schon sehr alt und friert ständig. Die feuchten Kellerwohnungen oder die zugigen Dachböden, in denen sie früher gelebt hatte, haben ihrer Gesundheit wohl doch etwas geschadet. Versöhnlicher meint sie: »Nein, aus diesem schönen und trockenen Haus kriegt mich keiner mehr, auch wenn es jetzt mit unseren neuen Nachbarn etwas unruhiger wird. Es ist ja nicht für ewig.« Sie seufzt und denkt bei sich: Es ist eben alles nicht mehr so wie früher, bevor das große Unglück geschah und dabei meine Schwiegertochter getötet wurde.
     Ein lautes Gähnen lenkt sie von ihren trüben Erinnerungen ab. Schon springt Radam, ihr Enkel, aus dem Bett und ist mit zwei Schritten bei ihr und umarmt sie stürmisch. »Guten Morgen, Großmama!« Gähnend trottet seine Schwester Iram ihm nach. »Morgen, Großmama!« Sie reißt die Arme hoch und streckt sich. »Ich bin ja noch sooo müde!« Großmama nimmt nun ihrerseits beide Kinder in ihre Arme, soweit es der Schaukelstuhl zulässt. »Guten Morgen, meine allerliebsten Enkel!« Iram reibt sich ihre Augen und meint schon munterer: »Omi, du hast doch nur uns!«
    »Wirklich?« Sie lächelt verschmitzt. »Darum habe ich euch doppelt so lieb!« Ein Wortgeplänkel, das sich jeden Morgen wiederholt und meistens einen schönen Tag einläutet.
     »Na ihr beiden? Was habt ihr heute vor? Geht ihr wieder mit zur Schule?« Erfreut nickt Iram. »Eigentlich sind noch Ferien. Aber die beiden Kinder gehen dort zu einer Arbeitsgemeinschaft, wie sie sich ausdrücken. So richtig habe ich das noch nicht verstanden, was das sein soll. Die Menschenschule scheint gar nicht so schlecht zu sein. Jedenfalls habe ich in dieser Arbeitsgemeinschaft eine ganze Menge Nützliches gelernt. Naja, so viel, wie man als unsichtbarer Gast eben beim Zusehen versteht.« Ihr Bruder kichert. »Aber vorher werde ich auf dem Weg dem Jungen ein Bein stellen. Mal sehen, ob es mir heute gelingt, ihn vor mir auf dem Boden liegen zu sehen.« Iram giftet ihn an: »Du bist gemein! Er hat dir nichts getan!«
    »Nichts getan!? Wer hat vor meiner Nase die Tür zugeschlagen, sodass ich eine Beule bekommen habe?« Instinktiv greift er sich an seine Stirn. Aber da ist nichts mehr. Iram spottet: »Außerdem war es keine Beule, sondern eine Delle, die gleich wieder zurückgegangen ist!«
    »Beule oder Delle!«, giftet Radam zurück. »Was macht das schon!«
    »Ja, schon, denn er wusste ja nicht, dass du hinter ihm warst. Oder konnte er dich sehen?« Aufgebracht knufft sie ihn an die Stelle der verschwundenen Beulen-Delle. Plötzlich überkommt Radam eine tiefe Traurigkeit. »Es ist nicht die Beule oder Delle, wie du meinst. Es ist die Einsamkeit hier. Früher, in unserer alten Wohnung, da hatten wir viele Freunde.«
    »Aber auch Feinde!«, fügt Iram leise hinzu. »Ich weiß, was du sagen willst.« Sie bleibt stehen und streckt ihm ihre beiden Arme entgegen. Gerührt reicht er ihr seine Arme und beide fassen fest zu und schauen sich in die Augen. So wie sie es früher immer getan haben, um sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Es war lange her, seit sie diese Bekundungen das letzte Mal getan haben. »Mir fehlen meine Freundinnen auch. Aber es ist nur zu unserem Schutz, dass wir hier sind. Irgendwann werden wir zurückkehren. Da bin ich mir ganz sicher. Vater ist auf der Suche nach unserem Feind Schirir ihm bestimmt schon auf den Fersen.« Heftiger als gewollt antwortet Radam und drückt dabei fast schmerzhaft Irams Arme: »Und was passiert dann, wenn er ihn gefunden hat? Werden wir auch ihn verlieren?« Beide lassen den Kopf hängen. Schweigend stehen sie sich gegenüber.
     Großmutters Herz verkrampft sich, als sie beide so stehen sieht. Ächzend steht sie von ihrem Schaukelstuhl auf und nimmt beide Kinder in die Arme. »Habt keine Angst! Dieses Haus ist durch Magie geschützt. Es dürfen hier keine kriegerischen Handlungen stattfinden. Außerdem weiß keiner, wo wir sind, auch Schirir nicht. Euer Vater ist stark und mächtig. Er wird Schirir besiegen. Denkt immer daran: Er wird Mutter rächen.« Energisch schiebt sie die Kinder zur Tür. »So, nun geht!«
     Die Gesichter der Kinder hellen sich auf. Großmama ruft ihnen noch schnell hinterher: »Denkt ebenfalls daran, zeigt euch nicht, wenn es nicht unbedingt sein muss. Es gibt hinterher stets irgendwelche Fragen von neugierigen Menschen. Die sind immer nur schlecht zu beantworten. Und solange ihr in Menschengestalt rumlauft, seid ihr auch Menschen mit allem Drum und Dran!«
    »Jaja, Großmama, wir wissen es! Das Gewicht erdrückt mich jetzt schon! Habe du auch einen schönen Tag!«, ruft Iram zurück. Der Schalk blitzt schon wieder in ihren Augen. Sich gegenseitig hänselnd verlassen sie die Wohnung.
     Laut quietschend stößt sie ihrem Bruder ihren Ellenbogen in die Rippen. »Übrigens, was die Sache mit dem Jungen angeht: Ich glaube, eher bekommst du eine weitere Delle oder Beule. Oder du liegst zuerst im Dreck. Und außerdem: Von einem unsichtbaren Dschinn gestoßen zu werden, das wäre echt feige!«, ruft sie ihrem Bruder zu und sprintet ungesehen den Zwillingen der ‚Gastfamilie‘ hinterher. Ihr Bruder bleibt überrascht stehen und ruft ihr ärgerlich nach: »Du verdirbst mir aber auch jeden Spaß!«


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