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Achterbahn ins Leben - Der Brustkrebs, das Leben und ich

Claudia Lauer - Achterbahn ins Leben - Der Brustkrebs, das Leben und ichClaudia Lauer

Das Pech wird der attraktiven Claudia scheinbar mit dem ganz großen Schöpflöffel serviert. Mit 39 Jahren und nach diversen suboptimalen Ausflügen in die Männerwelt erkrankt die alleinerziehende Mutter an Brustkrebs. Zum zweiten Mal! Wer jetzt eine Leidensleier erwartet, ist auf dem Holzweg. Wir begleiten eine naive, lebensfrohe Frau, die lernt, alte Muster zu durchbrechen und sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Eine, die lernt, dass man das Leben im Kern nicht mit Schönheit, Fitness und Perfektion zusammenhält.

Auf geht's zur Achterbahn ins Leben!

ISBN: 978-3-95509-097-5
Paperback
Buchformat: 14,8 x 21,0 cm
260 Seiten
Erschienen: 07.10.2016
Ab 12 Jahren
Artikelnummer: 3955090973
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  • Lauer, Claudia- Achterbahn ins Leben - Der Brustkrebs, das Leben und ich

    Lauer, Claudia

    »Der Tod ist immer noch nahe bei mir«, sagt sie. »Ich lebe jeden Tag neu mit der Aussicht, dass ich noch einmal Krebs bekommen könnte. Von daher ist Zeit für mich der größte Luxus, den ich mir wünschen kann. Andere hätten gern einen Ferrari vor der Tür. Ich wünsche mir so viel Zeit, wie ich nur bekommen kann, damit ich nächstes Jahr zu Ostern mit meiner Tochter Eier färben kann. Oder bei ihrem nächsten Schulfest dabei sein, Weihnachten mit ihr den Baum schmücken oder noch einen schönen Urlaub mit ihr verbringen darf.«


  • Donnerstag, 13. Juni 2013: Entdeckung

    Schockiert stehe ich unter der Dusche. »Mama, was ist los?« Meine Tochter Anna Lena ist mit ihren fünf Jahren schon richtig groß und kennt ihre Mutter gut. Gerade haben wir uns den Sand vom Spielplatz aus den Haaren gespült und nun schaut sie mit ihren großen, blauen Augen zu mir hoch. Ich ringe um Fassung, mein Herz rast so sehr, dass mir der Atem stockt. Einen Moment lang bleibe ich Anna Lena die Antwort schuldig. Ich kann es selbst nicht glauben, was ich da gerade ertastet habe. Während das Duschwasser über meinen Körper rinnt, über das, was ich in meiner rechten Brust gefühlt habe, diesen erbsengroßen Knubbel, versuche ich meine zitternden Hände unter Kontrolle zu bringen und suche nach Worten.
    »Mein Schatz, alles ist in Ordnung.« Ich drehe das Wasser ab, angele nach einem Handtuch und beuge mich zu Anna Lena herunter. Ganz fest nehme ich sie in den Arm, rubbele sie mit dem großen Frottee-Handtuch ab und drücke ihr so liebevoll wie ich kann einen Kuss auf die Stirn: »Ist alles gut. Und jetzt ab ins Bett mit dir!«
    Heute ist Donnerstag, der 13. Juni 2013. Morgen früh muss Anna Lena wieder in den Kindergarten.
    Eine halbe Stunde später – wir haben unsere Zu-Bett-Geh-Zeremonie inklusive Gutenacht-Geschichte und unseren kleinen Foppereien beendet und Anna Lena schläft in ihrem Hochbett – sinke ich nervös und immer noch voller Anspannung auf die Couch. Die kam übrigens erst vor Kurzem. Hier und da fehlt noch etwas Deko, im Großen und Ganzen bin ich aber gerade fertig geworden mit dem Einrichten. Aber nichts ist in diesem Moment unwichtiger als Möbel. Ich traue mich kaum, noch einmal meine Brust abzutasten. Zögernd wandern meine Hände wieder zu meiner rechten Brust. Doch. Da. Wie ein um sich wütendes Feuer breitet sich der Verdacht in mir aus: Hat der Krebs mich wirklich wieder eingeholt? Mein Puls hämmert an den Schläfen und das Kopfkino flimmert los.
    Soll nun alles von vorn losgehen? Operation, Chemotherapie, Haarausfall, Strahlentherapie, die Angst, es nicht zu schaffen. Es ist neun ereignisreiche Jahre her, als ich zum ersten Mal an Brustkrebs erkrankt bin. Der Verdacht kam kurz vor Weihnachten 2003, da war etwas in der linken Brust. Am 5. Januar 2004 wurde der Tumor aus meiner Brust entfernt. Das Labor bescheinigte: hochaggressiv, ein G-3-Status, sehr schnell gewachsen. Schnell, das traf auf mein ganzes Leben in der Zeit um die Erkrankung herum und bis jetzt zu. Es verlief so ereignisreich, so paradox, schlug so viele verrückte Haken, dass ich heute mit nicht mal 40 finde, dass es nur bis hierher gut und gerne für mehrere Leben gereicht hätte.
    Als ich meine erste Diagnose bekam, sammelte ich alles, was ich kriegen konnte über meine Krankheit. Besonders im Gedächtnis ist mir eine Beschreibung des Zusammenhangs zwischen linksseitigem Brustkrebs und der Psyche geblieben. Ich las, dass viele Kinder, die mit ansehen müssen, wie ihre Eltern sich heftig streiten, für sich die Entscheidung treffen, dass es schlecht ist, Feindseligkeiten offen auszutragen. Sie machen es sich zur Regel, immer brav, lieb und gefällig aufzutreten, ohne Rücksicht auf das zu nehmen, was sie wirklich fühlen. Als sei die eigene Selbstverleugnung die einzige Möglichkeit, von den Eltern geliebt, zumindest anerkannt zu werden. Ein Mammakarzinom links kann für eine Persönlichkeit stehen, die sehnsuchtsvoll angenommen werden will. Frauen, die linksseitig an Brustkrebs erkrankt sind, fühlen sich verhältnismäßig oft durch das Verhalten von ihnen nahestehenden Menschen schwer verletzt, unterdrücken diese Gefühle aber. In dem Maße, wie sie sich selbst nicht anschauen, haben sie Partner, die sich ihnen gegenüber gleichgültig verhalten, die sehr freiheitsliebend sind, vielleicht fremdgehen. Die Sehnsucht nach Geborgenheit bleibt bei den Frauen auf der Strecke. Und der Brustkrebs drückt die nicht zugelassene Verbitterung und nicht ausgelebte Wut über die fehlende Zugehörigkeit aus. Der Psyche wurde keine Aufmerksamkeit geschenkt, also präsentiert sie sich über den Körper. Was für ein interessanter Gedanke. Ob das auch etwas mit mir zu tun haben konnte?
    Noch im Krankenhaus fing ich an, mein Leben aufzuschreiben. Einfach aus Angst, dass ich mich später nicht mehr genau an alles erinnern könnte. Vielleicht auch aus dem Gefühl heraus, dass gerade dieses Erinnern für mich überlebenswichtig werden würde. Dieses Buch krame ich nun aus der Schublade des Wohnzimmerschranks hervor. Es ist eine Kladde mit einem abwischbaren Hochglanzdeckel und diesen schwarzen Gummibändern an den Ecken. Die handbeschriebenen Seiten fühlen sich ein bisschen steif, abgegriffen und verknautscht an. Kein Wunder, so oft, wie ich es mit neuen Einträgen gefüllt habe.
    Im Schneidersitz hocke ich mich wieder zwischen die Sofakissen, schlage es auf und sofort ist alles wieder da, als wäre es gestern gewesen. Vier Männer, vier Lebensabschnitte, die mich extrem geprägt haben. Vom vierten Mann habe ich mich kurz vor Weihnachten 2012 erst getrennt – die Scheidung steht noch aus und so wirklich durch sind wir beide noch nicht mit der Sache. Erst seit vier Monaten lebe ich mit Anna Lena in unserer neuen Eigentumswohnung in Stuckenbusch. Diese Wohnung mit Blick ins Grüne und auf die Halde Hoheward ist wie ein Hafen nach stürmischer See, endlich Ruhe, endlich durchatmen. Mit dem anderen Geschlecht bin ich im Moment erst mal fertig. Ich will nicht mehr perfekt sein für jemand anderen, nichts mehr erdulden für ein bisschen Liebe. Jetzt gibt es nur noch Anna Lena und mich. Meine Tochter ist das Wunder in meinem Leben, das eigentlich nicht geschehen konnte. Ich wurde vor sechs Jahren schwanger, obwohl mein Körper immer noch vollgepumpt war mit der Chemie, die den Krebs bekämpft hatte. Egal, was jetzt passiert, ich darf sie nicht im Stich lassen.
    Sollte es denn wirklich möglich sein, dass ich mich jetzt zum zweiten Mal in der Brustkrebsschlange angestellt habe? Schon die erste Erkrankung kommt mir im Rückblick vor wie eine Quittung, die mir mein Körper schrieb für mein Leben bis dahin. Für all das, was ich mir selbst nicht erlaubt und unterdrückt hatte, um allen Menschen, die mir wichtig waren zu gefallen. Eine genetische Veranlagung für Krebs hatte man bei mir nicht gefunden. Als man den Krebs in meiner linken Brust entdeckte, war ich 29 und körperlich topfit. Ich trieb sehr viel Sport und aß gesund. Ich habe immer gut auf meine körperliche Verfassung geachtet. Fit war für mich das Synonym für Schönheit. Wer schön ist, wird beachtet und geliebt.

     

    Kapitel 1

    Liebe, danach hungerte ich, seit ich denken kann. Meinen Nachnamen Lauer habe ich von meinem leiblichen Vater Rainer Lauer. Er hat meine Mutter verlassen, als ich zwei Jahre alt war. Erst mit 14 habe ich ihn kennengelernt, bis dahin wurde mir der Kontakt nicht ermöglicht. Rainer war die große Liebe meiner Mutter Iris, das hat sie mir oft erzählt. Mit 17 war sie zum ersten Mal schwanger von ihm, doch er wollte das Kind nicht und sie ließ es abtreiben. Rainer wollte nie Kinder haben. Auch nicht, als meine Mutter mit 21 zum zweiten Mal schwanger wurde – diesmal mit mir. Mama hat selbst vier Geschwister, ihre Schwester Steffi hatte das Downsyndrom. Ihre Eltern haben sie damals dazu ermutigt, mich zu bekommen. Irgendwann haben sie erfahren, dass sie schon einmal abgetrieben hatte, und sagten zu ihr: »Wenn du das nächste Mal schwanger wirst, dann bekommst du das Kind. Wir haben fünf groß bekommen, da schaffen wir auch noch eines!« So hat Mama sich für mich entschieden. Ich wurde am 4. Februar 1974 geboren. Rainer wollte das nicht. Erst ging er meiner Mutter fremd, und als ich zwei Jahre alt war, trennte Mama sich von ihm. Für sie begann damals eine schwere Zeit. Sie zog mit mir in eine kleine Wohnung in Recklinghausen und bekam eine kleine Unterstützung als alleinerziehende Mutter. Und obwohl Rainer für mich zahlen musste und Iris selbst arbeiten ging, war oft nicht genug Geld da, um für uns beide etwas zu Essen kaufen zu können. Das ist etwas, was sie ihren Eltern nie erzählt hat, nur mir. Als ich drei Jahre alt war, kam ich in den Kindergarten und Mama ging arbeiten, um uns beide über Wasser zu halten. Meine Kindergartenzeit verbrachte ich von montags bis freitags bei Oma Anna und Opa Ernst in Recklinghausen Süd. Ich kann mich nicht gut an diese Zeit erinnern, doch soviel ist klar: Ich liebte Oma und Opa über alles. Sie waren immer für mich da und ich fühlte mich geborgen bei ihnen. Die Anna in ihrem Namen hat meine Tochter Anna Lena in Erinnerung an meine Oma. Meine Mama war ständig im Stress. Ich habe noch vor Augen, wie ich ihr einmal bei ihrem Besuch in die Arme gerannt bin: »Hallo Mama«, rief ich freudestrahlend. Und sie schob mich an die Seite und sagte: »Ich habe jetzt keine Zeit.« Ich fühlte mich zurückgewiesen. Heute, selbst Mama, kann ich verstehen, wie stark meine Mutter eingespannt war und wie sehr sie für uns beide gekämpft hat.


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Rezensionen und Presseberichte zum Buch - Achterbahn ins Leben - Der Brustkrebs, das Leben und ich

Rezension bei Amazon

.... was für eine Achterbahn ....

Von Aliaam am 6. Oktober 2016

Liebe Claudia, es hat mich einen Nachmittag/Abend gekostest, das Buch zu lesen, doch es war ein absolutes Lesevergnügen und ich musste es zu Ende lesen... Du und Karin könnt wirklich stolz auf euer Werk sein !!! Ich kannte den Grossteil von deinen Erzählungen und die vergangenen Jahre persönlich, aber niedergeschrieben war das sehr interessant und kurzweilig zu lesen...

du bist so hart mit dir selbst, penetrant und zäh, das ist für ein Leben soviel Energie ..... Meinen ganz grossen Respekt vor deinen Leistungen, ziehe die richtigen Schlüsse für dich..... ich wünsche dir ganz viel Gesundheit, unendlich Zeit mit deiner Tochter ..... wenn es einer schafft, dann du ... deine Freundin Wiebke