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Splitter unter meiner Haut

Lothar Guderian - Splitter unter meiner HautLothar Guderian

Seine Kindheit erlebt Lothar Guderian in Wiesenbad und Leipzig, doch der Vater träumt vom »goldenen Westen«. Dass der keinesfalls golden ist, merkt die Familie schnell.
In Hannover, der ersten Station nach ihrer Ankunft, wohnen sie in einem sogenannten Bunkerhotel – mit Gästen, denen Normalbürger gern aus dem Weg gehen.
Die Arbeitslosigkeit des Vaters treibt die Familie von einer Stadt in die nächste. Die weiterführende schulische Laufbahn des Sohnes scheitert an Geldmangel und die ständige Entwurzelung prägt sein Leben nachhaltig.
Seinen Wunsch, darstellender Künstler zu werden, kann er sich nicht erfüllen, doch Kellner werden, wie es sich der Vater wünscht, ist zu sehr gegen seine Natur.
Er studiert Sport, träumt jedoch weiterhin von der Schauspielerei.
Sein Weg führt ihn schließlich zu Radio und Fernsehen, woher sich viele auch heute noch an ihn erinnern.
Eher zufällig erfährt er, dass sein ganzes Leben, seine Identität, auf einer Lüge basiert, was ihn Jahre später dazu veranlasst, dieses Buch zu verfassen, in dem er die Splitter seiner Erinnerungen an ein bewegtes Leben aneinanderfügt.
Ein Leben, das geprägt ist von zahllosen Brüchen und Wendungen, die ihn bis heute nach unerfüllter Beständigkeit suchen lassen.

ISBN: 978-3-95509-064-7
Paperback
Buchformat: 14,8 x 21,0 cm
220 Seiten
Erschienen: 04.05.2015
Ab 12 Jahren
Artikelnummer: 3955090647
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Preis: 14.90 EUR

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  • Guderian, Lothar- Splitter unter meiner HautGuderian, Lothar

    Sein Leben ist gezeichnet von ständigen Umbrüchen, Veränderungen und Neuanfängen.
    Nach dem Schulabschluss studierte er Sport (Tennis), besuchte eine Schauspielschule, war Pilot, Antiquitätenhändler, Moderator bei RTL Radio, sowie Sprecher beim WDR Fernsehen, später bei der ARD.
    Danach war er Galerist und ist seit 1998 freischaffender Künstler.
    Heute lebt und arbeitet er in Düsseldorf.

  • Prolog

    Das Erwachen an diesem Morgen fiel schwer, schwerer als sonst, was daran lag, dass ich unbedingt bis in die frühen Morgenstunden an einem Bild arbeiten musste. Nicht, weil es etwa einen Käufer dafür gab, nein, ich wollte unbedingt das Resultat meines nächtlichen kreativen Treibens optisch mit ins Bett nehmen. Somit war das nächtliche Ruhen etwas zu kurz gekommen.
    Jetzt aber war ich wach und begann den Tag mit dem üblichen Ritual des Kaffeekochens und zwei Brote schmieren – eins mit Wurst oder Käse, eins mit Marmelade oder Honig. Während die Kaffeemaschine ächzte, blubberte und gluckste, sich hörbar schwertat, ihren Dienst zu tun, machte ich mich daran, mit Dusche, Creme und Duft die sichtbaren Spuren des fehlenden Schlafes zu verdrängen und zu verwischen. Ob all meine Mühe Erfolg zeigte, würde ich später erfahren. Jetzt wollte ich erst einmal in Ruhe frühstücken, mein nächtliches Werk noch einmal kritisch, aber doch wohlwollend betrachten und mir überlegen, was an diesem Tag zu tun sei. Ein Termin stand für den Vormittag fest – ein Besuch bei meinem Einrahmer. Mit ihm wollte ich in aller Ruhe festlegen, mit welchen Rahmen meine Bilder bei einer der nächsten in Monaco anstehenden Ausstellung ausgestattet werden sollten.
    Gut gelaunt und gestärkt verlasse ich meine Wohnung in Richtung Straßenbahnhaltestelle. Die Sonne scheint – kurzum, ein richtig schöner Tag. Auch die Bahn lässt nicht lange auf sich warten. Menschen steigen aus und ich mit anderen Menschen ein. Doch kaum bin ich eingestiegen und habe einen Fahrschein gelöst, werde ich von einer Frau mit verständnisvollem Mitleid im Gesicht fixiert. Sie steht von ihrem Sitz auf und fragt höflich aber doch besorgt: »Möchten Sie sich nicht setzen?« Das saß!! Ich war so verdattert, dass ich Mühe hatte, eine angemessene Antwort zu formulieren. Ein verneinendes Kopfschütteln war meine erste Reaktion, gefolgt von: »Nein, danke - es geht schon – bleiben Sie bitte sitzen.«
    Bei diesen Worten tat ich so, als sei ich jugendlich und frisch und munter, und um diese Attribute noch zu unterstreichen, garnierte ich in mein Gesicht ein freundliches Lächeln. Die Frau setzte sich wieder und ich blieb stehen. Das war ein Schock – niemals zuvor hatte man mir, wo auch immer, einen Platz angeboten. Es war eher umgekehrt, und das fand ich auch normal. Später durchquerte ich die Bahn und fand im hinteren Teil des Wagens einen Platz. Der Vorfall hatte mich nachdenklich gemacht, warum weiß ich nicht – ich will es aber wissen. Da hilft nur eine Analyse und Bestandsaufnahme dieser banalen Begebenheit, war mein Fazit.
    Tatsache ist, ich bin nicht mehr jung – so knapp 70. Aber verdammt noch mal – ich fühle mich nicht so. In meinem Kopf schwirren tausend Ideen, ich interessiere mich für alles, Wirtschaft, Politik, Kultur, habe Pläne für Bücher, Bilder, Skulpturen etc., und selbst den Traum von der großen Liebe habe ich bis heute nie aufgegeben. Ich bin nicht der Rentner, der mit Filzpantoffeln und einer Flasche Bier sich gemütlich vorm Fernseher einrichtet. Nein, nicht nur, dass ich arbeiten muss, da meine Rente sehr bescheiden ist, arbeite ich gerne. Das liegt natürlich daran, dass kreatives Schaffen immer etwas Besonderes ist – das bilde ich mir zumindest ein. Aber all das konnte die freundliche Frau, die mir ihren Platz anbot, nicht sehen. Für sie war ich ein alter, abgemagerter Knochen, der, wenn man ihm keinen Platz anbietet, wahrscheinlich zusammenbrechen wird. Ich weiß, ich übertreibe, aber Tatsache ist auch, dass meine morgendliche Dusch-, Creme- und Duftorgie keinen Eindruck auf diese freundliche Frau gemacht hat – eher das Gegenteil.
    Was mich anging, wurde mir auf einmal schlagartig bewusst, dass mein Leben auf einen Wendepunkt zusteuerte. Nachdenklich wurde ich – sehr nachdenklich.

    Mittlerweile war meine Zielstation erreicht und ich verließ die Bahn in Richtung Rahmenatelier. Ich muss nicht besonders hervorheben, dass ich eher unkonzentriert war bei der Auswahl der Bilderleisten. Das machte aber nichts – der Rahmer wusste, was ich wollte und ich konnte mich auf seine handwerklichen Fähigkeiten verlassen. Er arbeitet schon seit Jahren für mich, und als sein Vater noch lebte, war er es, der mich fachlich betreute. Das hätte aber auch anders kommen können, denn sein Sohn wollte eigentlich zur See fahren. Das war sein Traum und nicht die Buchbinderlehre, die ihm sein Vater aufgezwungen hatte, um später, so war seines Vaters Plan, die familieneigene Firma zu übernehmen. Gegen seinen Vater, der auf mich immer ernst, streng bis mürrisch wirkte, hatte sein Sohn keine Chance, Widerspruch war zwecklos. Er musste den Traum vom Schiff auf weiter See begraben bzw. ersäufen. Das tat er mit Hilfe der einen oder anderen Flasche Bier. Später lernte er seine Frau kennen, die ihn aus diesem Jammertal herausholte und drei Söhne schenkte, alle mehr oder weniger ein Quell der Freude oder der Sorge – wie es gerade kommt.
    In seinem Atelier gehen Künstler, Galeristen, private Sammler ein und aus. So erfährt er vom Aufstieg des einen bzw. Fall des anderen. Ich will damit sagen – in seinem Atelier wird nicht nur gerahmt, sondern auch viel geredet, geahnt, gemutmaßt – vor allem aber »schon immer gewusst«. Es wird spekuliert, Geheimes weitergegeben – selbstverständlich alles unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Natürlich leistete auch ich, wenn auch nur in bescheidenem Maße, meinen Beitrag zur Alimentierung der Gerüchteküche. Nur ausgerechnet heute war mir überhaupt nicht nach Neuigkeiten oder Gerüchten, so spektakulär sie auch sein mochten, zumute. Ich verabschiedete mich hastig unter dem Vorwand »Termine, Termine« und machte mich wieder auf den Heimweg, diesmal zu Fuß.
    Es war angenehm durch die Stadt zu laufen, bei Sonnenschein und Straßenlärm. Zu Hause angekommen machte ich mir was zu essen, wie so oft Nudeln mit Tomatensoße, ein Glas Wein und als Nachtisch einen Kirschjoghurt. Danach legte ich mich etwas hin – das war auch so eine Art Ritual – und dann, nach circa einer halben Stunde, war ich wieder fit für den Rest des Tages.
    Die bevorstehende Ausstellung in Monaco erforderte noch viel Arbeit. Jetzt war auf jeden Fall nicht der Zeitpunkt, sich mit der Realität meines alt Seins auseinanderzusetzen. Es galt, kreative Ideen in sichtbare Bilder zu verwandeln. Doch bei all meinen Bemühungen, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, ertappte ich mich nicht selten bei geistigen Ausflügen in die Vergangenheit.
    Die Rückschau auf mein Leben war anfangs ungeordnet. Ich erinnerte mich daran, was vor 5, dann vor 20 oder 30 Jahren war. Dann waren es Erinnerungen, die erst kürzlich stattgefunden hatten – dann war es meine Kindheit, die wie ein Stummfilm vor mir ablief. Alles chaotisch, Mosaiksteine eines Lebens, die so im Durch- und Miteinander keinen Sinn ergaben.
    Je mehr ich in die Vergangenheit eintauchte, umso mehr Fragen bauten sich vor mir auf. Zweifel kamen dazu, zum Beispiel, wird die Erinnerung heute der Vergangenheit gerecht oder biegt und formt man sich da was zurecht. Warum erinnert man sich an etwas und etwas anderes ist aus dem Gedächtnis gelöscht.
    Im Laufe der Zeit begann ich mir Notizen zu machen, die Dinge, soweit es ging, zu ordnen. Eine Chronologie war schwerlich zu erstellen, eine Biografie schon gar nicht, schließlich bin ich ja keine Berühmtheit. Was mir vorschwebte war, der Vergangenheit, die in Form von kleinen Splittern unter meiner Haut in meinem Körper lebte, einen Platz im Hier und Jetzt anzubieten. Ein Vorhaben, das chirurgische Fähigkeiten erforderte. Ging es doch darum, die Erinnerungen herauszulösen aus einem 70 Jahre alten Lebenspaket. Die Spreu vom Weizen zu trennen. Die großen und kleinen Splitter zusammenzufügen, in der Hoffnung, am Ende ein ganzes (Leben) zu betrachten.

     


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Rezensionen und Presseberichte zum Buch - Splitter unter meiner Haut

Rezension bei Amazon

Vom Mangelboy zum erfolgreichen Künstler

Von Spixstrong am 25. Mai 2015

Ein sehr kurzweiliges, interessantes Buch mit lustigen wie auch traurigen, nachdenklich machenden Elementen. Es handelt vom Leben eines Jungen der mit seinen "Eltern" in Leipzig ein gutes Leben führt,dem dann aber von Träumen gen Goldener Westen vom Vater ein jähes Ende gemacht wird. Im Westen angekommen ist vom "goldenem Westen"nichts zu spüren. Plötzlich zum Flüchtling ,zum " Ossi" geworden, den unrealistischen Träumen seines Vaters ausgesetzt, beginnt ein völlig neues , von Entberungen geprägtes Leben. Dem Unbill dieses Lebens trotzend , mit viel Neugier ,die vom Vater immer misstrauisch beäugt , von der Mutter oft im geheimen unterstützt wird, meistert der Junge Karl Heinz Keil sein Leben, welches vom "Mangelboy" über Tennislehrer, Transsexuelle in Brüssel, Schauspielschule, Antiquitäten- und Kunsthandel , Radiomoderator, Steward , Pilot bis zum schaffenden erfolgreichem Künstler reicht. Das ganze bekommt noch eine besondere Note durch die Tatsache das der junge Mann Karl Heinz Keil eines Tages erfährt das er in Wirklichkeit Lothar Guderian heißt.....absolut zu empfehlen!!!