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Verflitzt und Zugeschnappt

Stefan Hörl - Verflitzt und ZugeschnapptStefan Hörl

Wussten Sie, dass übellaunige, zu groß geratene Weltraumamöben keinen einzigen guten Witz erzählen können?
Nein? Okay, die Besatzung des Raumschiffs Constellation auch nicht.
Und dass so ein gefräßiges Untier erstaunlich echt wirkende Halluzinationen hervorrufen kann, ist ebenfalls eine neue Erkenntnis.

Nach einem bemerkenswert ereignislosen halben Bordjahr, in dem es so gut wie gar nichts Neues im Weltall zu entdecken gab, ist die Begegnung mit einer so eindrucksvollen Lebensform eine beinahe willkommene Abwechslung.
Kapitän Lem und seine Besatzung ergeben sich natürlich nicht kampflos der feindlichen Übernahme und ganz sicher können sie nicht zulassen, dass sich ein zu groß geratener Einzeller nach unzähligen Planeten womöglich auch die Erde einverleibt.

Der Kampf erscheint aussichtslos, bis einem cleveren Besatzungsmitglied die zündende Idee kommt und allen klar wird: Wir werden einen größeren Besen brauchen …

ISBN: 978-3-95509-059-3
Paperback
Buchformat: 14,8 x 21,0 cm
328 Seiten
Erschienen: 07.05.2015
Ab 14 Jahren
Artikelnummer: 3955090590
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  • Frühe Vorgeschichte mit Zeitsprung

    Schiff. Eine Bezeichnung für ein Wasserfahrzeug, wobei eine glasklare Definition, die jegliche Verwechslung und irreführende Verwendung dieses Begriffs von vornherein ausschließen würde, aus der Praxis nur schwer ableitbar sein dürfte. Also könnten glasklare und pingelige Definitionen für das Vorankommen in der Praxis entbehrlich sein. Sollte sich jedoch herausstellen, dass ein Spannungszustand zwischen faktischer Realität und Unschärfe einerseits und den Erfordernissen einer präzisen logischen Folgerichtigkeit andererseits entsteht, dann wäre dieser Zustand vielleicht mit einer immer stärker gespannten mechanischen Feder vergleichbar.
    Nicht alles der Fortbewegung auf und durch Wasser oder dem Aufenthalt darin Dienende kann zutreffend als Schiff bezeichnet werden.
    Zum Beispiel Taucherflossen geben selten Anlass zu einer diesbezüglichen Unsicherheit, für Jesussandalen wird das auch noch nicht zur Streitfrage werden, obwohl die genaue Schuhgröße historisch nicht gesichert werden konnte. Auch ein Schlauchboot wird nicht als Schiff durchgehen können.
    Zwischen Booten und Schiffen wird es technisch gesehen einen definierten Unterschied geben, vermutlich ausgedrückt in Längen- und Gewichtseinheiten. Und für Atom-U-Boote wird es diesbezüglich auch eine Ausnahmeregelung geben, doch falls nicht, wäre leicht eine zu finden.
    Doch der Unterschied besteht vielleicht auch darin, dass ein Schiff einen künstlich geschaffenen Lebensraum darstellt. Einen Lebensraum, der es Landlebewesen gestattet, auf dem Ozean zu leben.
    Und ganz nebenbei hilft ein solches Schiff einem noch, weiter voranzukommen. Als Lebensraum wäre es somit dem Land deutlich überlegen, denn das Land bringt einen niemals irgendwo hin.
    Die kulturgeschichtlichen Wurzeln von Schiffen liegen sehr weit in der Vergangenheit und einen einzigen Ursprung, mit dem ›alles‹ begonnen hätte, wird es wahrscheinlich niemals gegeben haben. Trotzdem scheint es zwischen Schiffen und Bäumen öfter gewisse Affinitäten gegeben zu haben, die nicht immer zum Vorteil der Bäume waren. Genau genommen waren diese nie von Vorteil für die Bäume, manchmal sogar dezitiert zu deren Nachteil, was traurigerweise an der gegenwärtig vorherrschenden Landschaftsform am Mittelmeer deutlich wird (dafür sind aber unter anderem auch die römischen Badehäuser und deren Verbrauch von Brennstoffen für die Heißwassererzeugung mitverursachend gewesen).
    Vorstellbar ist aber auch folgende Begebenheit, irgendwann einmal in einer Zeit vor dem Anfang der Altsteinzeit:
    Ein Wesen, noch nicht ganz frühzeitlicher Mensch und zugleich nicht mehr ganz ein Hominide sitzt, hockt oder kauert am Ufer eines Flusses und sieht erleichtert einem auf dem Wasser treibenden Baumstamm hinterher. Es ist leicht möglich, dass auf diesem Baumstamm ein Tier sitzt, das es üblicherweise vorzieht, dem Wasser fernzubleiben.
    Ein Tier, wie etwa das Wollnashorn. Es müsste also schon ein Baum von recht ansehnlicher Größe sein, der da auf dem Wasser schwimmt.
    Nicht ganz unwahrscheinlich, dass es sich bei dem Wollnashorn um eben jenes Tier handeln dürfte, das noch wenige Momente zuvor schon einige Zeit damit zugange war, dieses, auf zwei Beinen fliehende männliche Wesen mit dem Namen Link durch die Pampa zu jagen.
    Der Sinn darin ist sicher nicht der Grund hierfür, und da es vermutlich keinen Grund gibt, kann sich der Sinn sicher sein, sich unbehelligt von jeglicher Ursächlichkeit entfalten zu können, ohne an Wirkung zu gewinnen oder zu verlieren.
    Trotzdem bleibt es ein Rätsel, warum Nashörner Menschen mit Vorliebe durch die Pampa jagen, schon allein unter besonderer Berücksichtigung der nachgewiesenermaßen rein vegetarischen Ernährungsgewohnheiten dieser Tiere, von welcher sie auch unter andauernder, verdeckter Beobachtung niemals abzuweichen scheinen.
    Vielleicht ist der Grund ja auch darin zu sehen, dass Nashörner noch lieber als Menschen durch die Pampa zu jagen, in der Pampa auf Menschen herumtrampeln, was dann weniger als Ursache denn als wirkungsvoller Charakterfehler gelten könnte.
    Ohne Sinn.
    Es könnte auch sein, dass jene Menschen, die den Mut und die Tollkühnheit besaßen, gelassen abzuwarten, um herauszufinden, ob das auf sie zustürmende Nashorn nicht doch eigentlich nur spielen wollte, aus unerfindlichen Gründen ihre solcherart gewonnenen Erkenntnisse niemals weitergeben konnten.
    Wäre es wirklich sinnvoll, eine solche prähistorische, oder auch neuzeitliche Verfolgung als Akt des spirituellen Ausgleichs zu interpretieren, für all die Male, in der die Jagd in die andere Richtung läuft?
    Link wird also von einem mutmaßlich übelwollenden Nashorn durch die Pampa, einer (fast) baum- und strauchlosen Graslandschaft gejagt und findet unter den dominierenden Einflüssen von Todesangst, Panik und körperlicher Strapaze, gekoppelt an exponentiell zunehmende Erschöpfung, nur mäßigen Trost in dem Gedanken, an einem Akt spirituellen Ausgleichs teilzuhaben.
    Der inzwischen bereits von seinem Stamm vermisste Link gelangt im Laufe der wilden Jagd an das Ufer eines reißenden Flusses. Dadurch wird ihm der weitere Fluchtweg abgeschnitten. Die plötzliche Wendung wird von Link mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einerseits hat er das Gefühl, dass sich wirklich alles gegen ihn verschworen hat, denn allein schon von einem Nashorn zur Jagdbeute auserwählt zu werden, stellt ein wahnsinnig seltenes Ereignis dar, wenn auch ein unerfreuliches. Dann auch noch vom Klimawandel bei dieser exzentrischen Form des Frühsports überrascht zu werden, am Ende der Würm-Eiszeit (entspricht der Weichseleiszeit) ist echt Pech. Denn als er zuletzt hier geweilt hatte, an einem zwar viel kälteren aber dafür geruhsamen Tag, war da kein Fluss gewesen, nur ein klitzekleiner Bach, welcher zum größten Teil zugefroren, ganz leicht überquert werden konnte, damals.
    Am Ufer dieses wiedererwachten Flusses steht ein alter, großer Baum. Eine Esche, sehr alt, sehr groß und sehr tot hat sie die Eiszeit als Leiche überlebt.
    In Link regt sich auch eine gewisse fatalistische Erleichterung, denn er ist buchstäblich am Ende seiner Kräfte und die Flucht wurde zuletzt zu einer rechten Qual.
    Trotzdem verspürt er Todesangst und der Gedanke an stampfende Plattfüße und zustoßende Hörner verursacht unbeschreibliches Entsetzen in ihm, also versteckt er sich in seiner Not hinter dieser standhaften Leiche einer Esche, deren Holz schon lange gefriergetrocknet ist.
    Das Wollnashorn, mental noch immer in einer kahlen Eiswüste weilend, wo die Jagd auf Zweibeiner, denn die anderen Tiere sind entweder zu groß, zu flink oder zu bissig, die einzige Abwechslung darstellt, prallt mit großer Impulskraft donnernd gegen diesen wehrlosen Baum. Sei es, weil es nicht mehr anhalten oder ausweichen konnte, oder weil es eine derartige Verhaltensänderung nicht in Erwägung zog.
    Auch in diesem Fall gibt der Klügere nach. Und so hält die dumpfe Befriedigung, die von dem ebenso dumpfen Trampeltier empfunden wird nicht sehr lange vor und weicht unvermittelt einer Ahnung von etwas Anderem. Doch was könnte dieses, noch nie zuvor empfundene andere, nur sein? Überraschung! Zum ersten Mal im Leben.
    Diese Esche hat selbst im Tode nicht nur eine beispielhafte Haltung, sondern noch eine geradezu transzendente Integrität! Sie gibt zwar der rohen und brutalen Gewalt nach, doch tut sie dieses in unkorrumpierter Art und Weise. Die Esche gehört zu den Wesen, die ihre Wurzeln nicht vergessen oder zurücklassen, eben diese Wurzeln treten mit unvermittelter Gewalt aus der Erde.
    Für das Nashorn ist es genau so, als hätte es sich selbst, durchaus nicht unverdient, heftigst in den Hintern getreten.
    Keuchend, japsend und zitternd sieht Link dem ersten surfenden Wollnashorn der Welt hinterher. Ein staunender und langgezogener Gedanke formt sich in seinem merkwürdig kribbelnden Schädel: Duuuud!
    Wenn auch Link in diesem Moment mehr von Erleichterung als von Staunen erfüllt ist, so wird ihn die Erinnerung an diesen Anblick nie mehr verlassen, bis zu jenem Tag, an dem er durch diese Erinnerung zu einem Einfall gelangen wird.
    Ob auf diese Weise zuerst das Floß, der Einbaum oder doch das Surfboard erfunden wurde, ist nicht sicher. Vielleicht gelang es Link ja mit Hilfe psychotroper Bestandteile seiner Gejagten- und Sammlerkost das Prinzip zu transzendieren und ein Kanu zu bauen.
    So und auch auf vielerlei andere Arten könnte die Kulturgeschichte der Schifffahrt ihren Anfang genommen haben.
    Eine andere Sache ist es jedoch ein Vehikel, welches dazu gedacht ist im Weltraum zu reisen, ebenfalls ein Schiff zu nennen.
    Es ist so geschehen.
    Für das zugleich einen Lebensraum darstellende Fahrzeug in folgender Geschichte wäre auch Weltraumeinbaum eine passende Bezeichnung.
    Sehr lange nach Link, seine bewusstseinserweiternde Erfahrung und auch er selbst sind schon lange in Vergessenheit geraten. Trotzdem ist die Nachwirkung dieser Begebenheit niemals vergangen, ganz im Gegenteil. Wie ein Kieselstein, der in einen Teich geworfen sofort versinkt, sich ausbreitende Wellenbewegungen an der Wasseroberfläche hervorruft. Links Kiesel fiel in einen wirklich großen Teich.

    Viele Lichtjahre von der Erde entfernt

    Der Weltraum, nach menschlichem Ermessen unendliche Weiten, angefüllt von uraltem Licht und doch so entsetzlich leer erscheinend.
    Irgendwo zwischen den Sternen zieht das Schiff seine blendende Bahn durch dieses ›Beinahenichts‹. Sehen könnte ein hypothetischer Beobachter dieses Schiff nicht. Ein menschliches Auge würde ein so großes Objekt wie das Schiff zwar noch erkennen können, wenn es sich nicht schneller als mit dem Doppelten oder dem Dreifachen der zweiten kosmischen Geschwindigkeit bewegen würde, also viel schneller als es beispielsweise zum Verlassen des irdischen Schwerefeldes notwendig wäre, aber für den relativ dazu stillstehenden Beobachter wäre der Eindruck eines vorbeihuschenden Objekts nur mehr so flüchtig, dass jener seinen Augen eher nicht trauen würde.
    Doch selbst so eine hohe Geschwindigkeit macht wenig Sinn, wenn es um das Bereisen des interstellaren Weltraums, des Raumes zwischen den einzelnen Sternen- und Planetensystemen geht. Das wäre einfach noch immer viel zu langsam.
    Menschliche Sinne sind ohne Hilfsmittel nicht weltraumtauglich, was jedoch wiederum durchaus Sinn ergibt, denn Menschen sind auch im Übrigen ohne erhebliche Hilfsmittel nicht weltraumtauglich. Sie benötigen entweder einen Planeten oder ein Raumschiff, um den Weltraum zu bereisen.
    Doch so wie es den menschlichen Sinnen unmöglich ist, mehr als nur einen winzigen Teilbereich, des im Weltraum möglichen Erfahrbaren abzudecken, gilt dies auch weitestgehend für das durch die sinnliche Erfahrungswelt geformte menschliche Bewusstsein.
    Aber etwas fiele einem Menschen in relativer Nähe zum reisenden Schiff doch auf, wobei diese ›Nähe‹ durchaus einige Lichtjahre betragen kann. Er würde über einige Zeit, vielleicht sogar für Minuten unerklärliche, sphärenklingende Musik hören.
    Dies wäre auch bei anderen Spezies als den Menschen so, wenn deren akustische Sinne empfänglich für Stimulation durch Thereminfelder sind.
    Auf Reisegeschwindigkeit beschleunigt könnte kein Beobachter ein passierendes Objekt ausmachen. Vielleicht nähme er oder sie so etwas wie einen kurzen, tiefschwarzen Lichtblitz wahr, vergehend in einem Funkenschauer, welcher alle Farben des Regenbogens durchläuft. Er oder sie zöge es vor, dieser Wahrnehmung nicht zu vertrauen.


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